Hier möchte ich euch zeigen, wie ich mein Gebirge und die Felsen selber gestaltet habe.

 

Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten wie man die Felsen herstellen kann. Man kann mit Bauschaum die Berge formen, oder mit dem Stecksystem wie es z.B. Busch vertreibt. Man kann Zeitungen in Leim tauchen oder es ganz klassisch mit Spantenbauweise und Gips machen, so wie ich es euch heute zeigen will.


Was brauche ich alles?

Styropor oder Styrodur

 

Kann man in jedem Baumarkt kaufen.

Aluminiumgitter oder Kaninchengitter

 

Bekommt man auch in jedem Baumarkt.

Modellgips / Hobbygips

 

Modellgips hat den Vorteil das er langsamer aushärtet und man so noch Zeit zum modellieren hat.

Jeder Baumarkt sollte den im Sortiment haben.

Gipsmulde

 

Zu empfehlen wenn man Gips anrührt da die fest gewordenen Gipsreste super einfach wieder raus gehen. Alternativ kann man auch einen halben Gummiball vom kleinen Bruder nehmen. ^^

Gibt es in jedem Baumarkt.

Abdeckfarben und Pinsel/Küchenrolle

schwarz, braun, grün, weiß, grau

 

Abdeckfarbe hat den Vorteil das sie sehr gut deckt. Besonderst auf Gips ist das sehr wichtig! Gibt es auch in jedem Baumarkt.

Heißklebepistole

 

Nicht zwingend erforderlich, aber sehr hilfreich um das Drahtgitter auf dem Styropor zu fixieren. Falls man die Spanten mit Holz macht empfiehlt sich ein Tacker.

Beides bekommt man im Baumarkt.

Modellierspachtel


Eignet sich gut für Feinarbeiten.

Entweder im Baumarkt oder einfach online bestellen.

Spachtel


Zum anrühren und Auftragen des Gips.

Cuttermesser


Zum Felsen ritzen.

Drahtbürste

 

Zum bearbeiten der Felsen.

Meißel

 

Zum bearbeiten des frischen Gips.


So, wenn wir alles beisammen haben kann`s ja los gehen! 

Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde

Das kriegen wir auch hin und zwar mit Styropor und Gips!^^

 

Falls wir den Berg am Rand der Anlage bauen wollen, ist zu empfehlen die Außenkante mit Holz zu verstärken. Dazu sägt man einfach die Form des Berges, so wie man ihn sich vorstellt, aus einer Platte Holz aus. Man kann große Öffnungen einbringen um die Zugänglichkeit zu gewährleisten. So kann man von hinten bei einem Malheur eingreifen.

An den Stellen wo die Häuser hin kommen, kann man kleine Plattformen aus Holz bauen. Gleistrassen und Straßen müssen natürlich auch schon vorbereitet werden. Gute Vorausplanung ist also Pflicht.

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Styropor - die Frau wird es freuen!

Ist dieser Schritt geschafft, geht die Krümelei los!^^

Nun schneiden wir das Styropor mit dem Cuttermesser in handliche Spanten. Man kann alternativ auch Styrodur nehmen was nicht so sehr krümelt. Da es aber ein festeres Material ist, lassen sich nur schwer enge Kurven schneiden. Funktionieren tut beides gut, drum sei es jeden selbst überlassen mit was für Material er arbeiten will.

Es gibt auch noch Heißschneidegeräte extra für Styropor wo die Krümelei gänzlich weg fällt, aber mir sind da ehrlich gesagt die 60 Euro die man für ein gutes Gerät hin blättern muss zu schade. Ein Staubsauger wird im nachhinein auch damit fertig! Man sollte aber vermeiden die Frau in dieser Zeit in den Raum zu lassen, da eventuelle Ohnmachtsanfälle plötzlich eintreten könnten. ^^

 

Die Spantenteile die wir uns zurecht geschnitten haben, können wir ganz einfach und schnell mit der Heißklebepistole miteinander verbinden, so das am Ende ein schönes Gerippe entsteht. Man sollte nach Möglichkeit schöne Rundungen und Höhenunterschiede mit einbauen um es natürlich aussehen zu lassen.

 

Noch ein kleiner Tipp am Rande:

Bevor man nun zum nächsten Arbeitsschritt (dem Verkleiden) übergeht, sollte man in jeden Tunnel rein schauen und alle sichtbaren Bereiche hinter den Tunnelröhren schwarz malen. Das verhindert, dass später wenn alles fertig ist und man in den Tunnel rein schaut, man dann das helle Styropor oder Holz sieht.

Viele Modellbahner vernachlässigen ihre Tunneleingänge und bringen manchmal noch nicht einmal Tunnelröhren an so das man, wenn man den Tunnel anschaut sofort sieht, dass es kein massiver Berg ist, sonder ein hohles Gebilde aus Holz und Pappmache. So wird dann die Immersion der kleinen Welt zerstört.

Daher sollte man Tunnelröhren gleich zu Beginn mit einplanen und die sichtbaren Bereiche hinter der Tunnelröhre schwarz malen. So wirkt der Berg auch massiv und man blickt in ein schwarzen Tunnel, so wie es in der Realität auch aussieht.

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Die Verkleidung

Sind wir mit dem Spantengerippe fertig, schauen wir uns unsere bisherige Arbeit von weiten an, nicken einmal zustimmend und machen mit der Verkleidung unseres abstrakten Kunstwerkes weiter. ^^

 

Dazu nehmen wir das Aluminiumgitter oder das Kaninchengitter, legen es auf den Berg und schneiden es passend. Fixieren können wir es mit der Heißklebepistole. Man kann die Klebestellen mit einen kleinen Stück Holz andrücken, bis der Kleber fest ist. Mit dem Finger macht sich das nämlich nicht so gut. Brandblasen können höllisch weh tun, habe ich mir von meiner Frau sagen lassen! ^^

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Falls ihr mit dem grobmaschigen Kaninchengitter gearbeitet habt, müsst ihr nun noch eine Trägerschicht aus Gipsbinden (bekommt man in der Apotheke oder im Internet) oder aus in Leim getauchten Zeitungen aufbringen, damit der Gips den wir als nächstes auftragen nicht durch die groben Maschen kleckert.

Vor dem aufbringen der Gipsbinden kann ich nur raten die darunter liegenden Gleise mit Folie abzudecken um zu vermeiden, dass Wasser oder Leim auf die Gleise tropft!

 

Da ich das feinmaschige Aluminiumgitter verwendet hatte, war dieser Arbeitsgang eigentlich nicht notwendig, aber ich hatte es trotzdem gemacht.

Jetzt sieht das ganze doch schon nach ein Berg aus! :)

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Zeit den George Segal aus uns raus zu lassen!

Als nächstes kommt die Gipsschicht drauf! Vorher aber nicht vergessen die Gleise die vielleicht schon geschottert sind ordentlich mit Zeitung und Kreppklebeband abzudecken, da Gips eklige weiße Flecken macht die sehr schwer wieder weg gehen!

 

Nun rühren wir unseren Modellgips an und verkleiden und verrunden alle offenen oder eckigen Stellen, so das es eine homogene und einheitliche Oberfläche ergibt.Die ganzen Spalten und Kerben die durch das spachteln entstehen, kann man wunderbar mit den Fingern zu schmieren

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Viele Modellbauer nehmen für den nächsten Schritt fertige Felsteile oder gießen die Felsreliefs mit Silikonformen selber. Ich wollte es auch erst so machen, weil ich mir das selber gestalten nicht zugetraut hatte, aber man ist dann durch die fertigen Felsformen stark eingeschränkt und kann so schwer Felsrundungen darstellen. Außerdem läuft man so Gefahr, das die Felsen zu gleich und generisch aussehen. Also doch lieber selber machen!

 

Dort wo dann später überall der Felsen sichtbar sein soll, müssen wir besonderst dick den Gips auftragen, so das wir noch genug Material zum ausarbeiten der Felsen haben.

Man muss sich mit dem Aufbringen des Gips sehr beeilen, da er sehr schnell fest wird. Also ist Geschwindigkeit gefragt! Mit dem eigentlichen bearbeiten der Felsen kann man sich dann aber Zeit lassen, da der Modellgips eine lange Zeit mittelhart bleibt und sich gut formen lässt.

Haben wir einen dicken Klumpen aufgetragen der mal ein Fels werden soll, kann das meißeln und schnitzen los gehen.

 

Aber halt! Wie sieht überhaupt ein Felsen in natura aus? Es gibt viele verschiedene Gestein-und Felsformationen die alle ein ganz charakteristisches Aussehen haben. Um es natürlich aussehen zu lassen sollten wir deshalb nicht wahllos drauf los schnitzen, sondern erstmal ein bisschen recherchieren. Oftmals haben Felsen ein oder zwei klare Linien die in bestimmten Winkeln verlaufen. Am besten man schaut sich ein paar Bilder im Netz an und sucht sich die Felsformation raus die man schön findet und nachmachen will.

Das sollte man generell bei allen Arbeitsschritten des Landschaftsbaus machen, denn die Natur ist das beste Vorbild!

Hier einige Beispielbilder:

Aber nun geht es los! Der Gips ist aufgebracht und wir beginnen nun mit dem Meißel grob die Form raus zu hacken. Immer wieder ziehen wir die eventuell waagerecht und senkrecht verlaufenden Linien nach, so wie auf den Bildern oben und arbeiten Stück für Stück den Felsen heraus. Dabei kann man ruhig auch ein paar tiefere Risse und Vertiefungen ausarbeiten, denn in der Wirklichkeit ist ein Felsen auch nicht flach.

 

Wenn die grobe Form fertig ist, kommt das Cuttermesser zum Einsatz. Damit ritzen wir nun die vorhandenen Linien tiefer und fügen neue kleinere Linien hinzu, so das es aussieht als ob mehrer Gesteinsplatten übereinander liegen.

Zuletzt bürsten wir mit der Drahtbürste nochmal vorsichtig drüber um die Oberfläche anzurauen und noch ein bisschen Struktur rein zu bringen.

So sah das dann bei mir aus:

Wenn man erst ein paar Felsen geschnitzt hat, geht es leichter von der Hand und die Ergebnisse werden immer besser. Man braucht also keine Scheu davor zu haben, denn es ist wirklich nicht schwer.

Als nächstes kommt die Farbe drauf.

Jetzt wird`s bunt!

Nachdem wir mit dem schnitzen fertig sind, lassen wir den Gips komplett aushärten. Das dauert in der Regel 24h und ist leicht daran zu erkennen das die Farbe von grau auf schneeweiß gewechselt hat. An Stellen wo wir den Gips dicker aufgetragen haben, dauert es natürlich ein bisschen länger.

 

Genommen habe ich Abtönfarbe weil diese Farbe wunderbar deckt, was bei Gips sehr wichtig ist. Gips nimmt nämlich die Feuchtigkeit auf wie ein Schwamm und andere Farbe würde einsickern und verblasst zu sehen sein.

Wir brauchen grau, braun, grün, weiß und schwarz.

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Zuerst brauchen wir eine Grundierung damit die restliche Farbe die wir aufbringen auch drauf hält. Da Felsen in der Regel grau sind, nehmen wir auch grau! :)

Ich hatte dafür Universalgrundierung aus der Sprühdose genommen, da mit dem Pinsel unverdünnt immer mehr Farbe aufgetragen wird als beim sprühen und wir so eventuell die ganzen Feinheiten, die wir so mühevoll in den Felsen eingearbeitet haben, zukleistern würden.

 

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Wenn alles trocken ist nehmen wir das schwarz und verdünnen es stark mit Wasser, so das es eine schwarze Brühe wird. Das tragen wir nun mit dem Pinsel auf und schwemmen so die ganzen tiefen Ritzen ein. Damit wird ein Tiefeneffekt erziehlt der die Spalten und Ritzen noch tiefer wirken lässt.

Falls doch zuviel Schwarz auf dem Felsen gelandet ist, kann man es einfach mit Küchenrolle oder einen Lappen abwischen.

 

Danach verdünnen wir das braun und das grün und schattieren ganz leicht die Felsoberfläche um ein moosigen/erdigen Look zu erreichen und um ein paar Farbnuancen zu setzen.

 

Zum Schluss tragen wir mit der Trockenmaltechnik das Weiß auf die Ecken und Kanten auf um Verwitterung und Erosion darzustellen. Dazu nehmen wir die dickflüssige Farbe, Küchenrolle oder ein altes Wischtuch (ein alter grobfasriger Pinsel geht auch) und benetzen es ganz leicht mit der Farbe. Dann nochmal auf einer Zeitung abstreichen um sicher zu gehen, das nur ein Hauch von Farbe auf dem Pinsel/Lappen ist. Damit gehen wir dann ganz leicht über die Felsen drüber, so das an den Ecken und ein wenig auf der Oberfläche hängen bleibt. Da gilt das Sprichwort "Weniger ist mehr".

 

Zur Farbgestaltung kann man sich auch Bilder aus der Natur anschauen. Bei meinen 4 Beispielbildern weiter oben kann man schön sehen wie unterschiedlich die Felsen aussehen können. Der eine ist mehr grau, der andere mehr bräunlich und der unten rechts hat die von mir zuletzt beschriebenen weißen Ablagerungen.

Auch hier gilt wieder "Die Natur ist der beste Lehrer".

 

Wenn alles fertig ist, kann es dann so aussehen:

Jeder Modellbauer hat da seine eigenen Techniken. Vieles geht warscheinlich einfacher oder schneller, aber am Ende zählt das Ergebnis und das kann sich, wie ich finde, sehen lassen.

Vielleicht konnte ich mit diesen Guide euch einige Anregungen geben oder dem einen oder anderen die Angst vor dem selber machen nehmen.

 

Auf jeden Fall wünsche ich euch gutes Gelingen und Spaß bei der Arbeit! :)

 

Euer Marcel